Das Konzept steht und die Fördergelder sind gesichert – ob und wann ein Ausbau der Kernwege erfolgt, entscheiden jetzt die Gemeinden.

Abschlussveranstaltung: Die ILE Frankenpfalz im Fichtelgebirge hat ein weiteres Projekt abgeschlossen. Am 15. Dezember 2016 wurde das Konzept für ein „Ländliches Kernwegenetz“ im Rathaus Weidenberg vorgestellt. Florian Göbet vom beauftragten Planungsbüro BBV LandSiedlung erläuterte die wichtigsten Ergebnisse. Claudia Stich vom Amt für Ländliche Entwicklung versorgte die Anwesenden mit weiterführenden Informationen und stand für die Fragen der Bürgermeister zur Verfügung. Die interessierten sich vor allem für förder- und verfahrenstechnische Abläufe zur Beantragung und Umsetzung des Wegeausbaus, ehe zum Abschluss noch ein Pressegespräch mit dem Nordbayerischen Kurier stattfand.





Die Ausgangslage: Das Gebiet der ILE Frankenpfalz i.F. umfasst rd. 200 km² Fläche, mehr als die Hälfte davon wird landwirtschaftlich genutzt. Zur Bewirtschaftung der Flächen brauchen die Landwirte ein gut ausgebautes Wegenetz. Viele der Wirtschaftswege sind aufgrund ihres Alters inzwischen verbraucht und weisen teils erhebliche Schäden auf. Zudem hat der anhaltende Strukturwandel die Anforderungen an das Wegenetz verändert. Die landwirtschaftlichen Maschinen werden immer größer, schwerer und schneller - die bestehenden Wege sind dafür nicht mehr ausgelegt. Aber auch der Schleichverkehr und die Freizeitnutzer drängen auf die Wirtschaftswege. Radfahrer, Wanderer und Reiter zeugen von einem veränderten Freizeitbedürfnis. Die Wege werden also multifunktional von verschiedenen Nutzergruppen in Anspruch genommen.



Die ILE Frankenpfalz i.F. umfasst eine Fläche von rd. 200 km². Mehr als die Hälfte davon wird landwirtschaftlich genutzt.

Das Problem: Eine permanente Instandhaltung aller Wirtschaftswege ist kaum möglich. Zudem sind viele Wegenetze ortsbezogen angelegt und enden im Grenzbereich einer Gemarkung. Dies entspricht jedoch nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft führt zu orts- und gemeindeübergreifenden Pachtbeziehungen. Dem müssen sich auch die Wegenetze anpassen. Zudem ist es ohnehin fraglich, ob die Gemeinden viel Geld investieren sollten, um zu schmale und zu schwach befestigte Wege zu sanieren. Sinnvoller erscheint der Ausbau von ausgewählten Hauptwirtschaftswegen in zeitgemäßer Breite und Befestigung.



Wichtige Wegeverbindungen weisen teilweise erhebliche Schäden auf. Sie müssen an die aktuellen Nutzungsanforderungen der Landwirtschaft angepasst werden.

Die Idee: Ziel ist der bedarfsgerechte Ausbau ausgewählter Gemeindeverbindungsstraßen sowie der wichtigsten Feldwege. Zur Aufnahme des landwirtschaftlichen Schwerlastverkehrs sollen diese Wege mit einer asphaltierten Tragschicht von mindestens 3,5 m Breite und bis 11,5 t Achslast ausgebaut werden. Die sog. Kernwege sollen das bestehende Netz an übergeordneten Straßen (Bundes-, Staats- oder Kreisstraßen) verdichten, gemeindeübergreifende Verbindungen herstellen und eine gute Erschließung des gesamten Raumes gewährleisten. Vorrangig für die Landwirtschaft gebaut, können davon auch Freizeitnutzer profitieren.

Das Konzept: Zunächst sind die in Frage kommenden Wegeverbindungen identifiziert und in jeder Gemeinde mit relevanten Schlüsselpersonen (Landwirte, Wegepflegeverbände etc.) erörtert worden. Es wurden Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingeholt, eine bautechnische Erfassung der Wege vorgenommen und eine zeitliche Umsetzungsempfehlung erarbeitet. Insgesamt wurden rd. 120 km Kernwege ausgewiesen.

Die Umsetzung: Das Konzept stellt zunächst nur die Grundlage für die spätere Beantragung und Förderung der Ausbauvorhaben dar. Ob und wann ein Kernweg ausgebaut wird, entscheidet die betreffende Gemeinde. Je nach Dringlichkeit und Haushaltslage werden bis zur Ertüchtigung einzelner Wegabschnitte mehrere Jahre vergehen. Durch die Aufnahme in das Konzept wird jedoch schon jetzt eine spätere Förderung durch Zuschüsse sichergestellt.

Die Fördersätze: Die Kosten für die Konzepterstellung werden zu 75% durch das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken übernommen. Der Fördersatz für den Ausbau der Wege wird von verschiedenen Faktoren abhängig sein und zwischen 50% und 85% liegen. In den Genuss der Fördermittel kommen die Gemeinden nur, weil sie im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung unter dem Dach der ILE Frankenpfalz i.F. zusammenarbeiten.

Der Projektverlauf: Seit Februar 2016 ist Tobias Hofmann für die ILE-Projekte zuständig. Im April 2016 wurde mit der Ausarbeitung des Konzeptes begonnen. Das Kernwegenetz ist somit eine der ersten Maßnahmen, die er von Beginn an betreut hat. Er freut sich vor allem über den reibungslosen Projektverlauf sowie die gute Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung. „Über den ILE-Verbund wurden die Grundlagen für den Wegeausbau und die langfristige Sicherung von Fördermitteln geschaffen. Für die Umsetzung sind jetzt vor allem die Gemeinden verantwortlich.“